Gedichte Poesie  Lyrik  Verse Reime
Sonette Goethe Schiller Heine Arnim

Gedichte u. Lyrik für alle Anlässe von
den großen  Meistern der Dichtkunst

Gedichte

An W. Neumann

Adelbert von Chamisso


An W. Neumann.

(Am Tage seiner Hochzeit.)

1819.


Laßt uns mit den Bechern klingen,
Laßt uns lieben, leben, singen
Und in Dithyramben ringen
    Freudig um den ersten Rang!
Laßt uns holde Kränze weben,
Küsse nehmen, Küsse geben,
Ist die Liebe ja das Leben,
    Ist das Leben doch Gesang!

Kränze weben und zerreißen,
Wie die Götter es uns heißen,
Sonder Arg und sonder Gleißen:
    Sind wir froh doch, fromm und gut.
Ein Gebet ist ja das Lieben,
Ist Erhörung auch von drüben –
Laßt uns singen, leben, lieben,
    Glühen uns in heil'ger Glut!

Aus der Liebe reichem Bronnen
Quellen Blumen, Sterne, Sonnen,
Alle Güter, alle Wonnen,
    Namenlos und unbewußt.
Kann ich je zu singen wagen,
Was ich kaum vermag zu tragen?
Doch das Wort kann es nicht sagen,
    Herzensschlag nur, Brust an Brust!