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Gedichte

Der König im Norden

Adelbert von Chamisso

Der König im Norden.

Ich schmücke mich mit fremden Federn. Dieses Gedicht ist eigentlich von Julius Curtius: ich habe es nur beim Abschreiben unbedeutend in den Worten verändert.

Es war ein König im Norden,
    Gar stolz, gewaltig und reich;
Ihm gleich ist Keiner geworden,
    Und nie wird Einer ihm gleich.

Und als es galt zu sterben,
    Er saß am öden Meer,
Es schlichen herbei seine Erben,
    Der Wolf, die Eule, der Bär.

Da sprach er zum zottigen Bären:
    Dir lass' ich Forst und Wald;
Kein Jagdherr wird dich stören
    Im lustigen Aufenthalt.

Und weiter sprach er zur Eule:
    Ich lasse sonder Zahl
Dir Burgen und Städte, verteile
    Sie deinen Töchtern zumal.

Und sprach zum Wolfe desgleichen:
    Dir lass' ich ein stilles Feld,
Mit Leichen und aber Leichen,
    So weit ich geherrscht, bestellt.

Und wie er solches gesprochen,
    So streckt' er sich aus zur Ruh'. –
Ein Sturm ist angebrochen,
    Der deckte mit Schloßen ihn zu.