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Gedichte

27. Domine, quid est Homo, quod memor es eius!

Andreas Gryphius
Domine, quid est Homo, quod memor es eius!
XXVII.

Wir Armen! ach wie ists so bald mit uns geschehn!

Wie plötzlich gehn wir fort / offt / eh wir uns besinnen

Ruff uns der schnelle Tod: kommt Menschen / kommt von hinnen

Kan iemand was ihm dreu't / was itzt gleich anbricht sehn?

Wir spilen Sorgen frey / wir schimpffen / lachen / schmehn!

Doch unser End ist dar. Wir werden gantz nicht innen

Wie nahe wir der Grufft. Diß Leben muß zerrinnen

Wenn Gott nicht Beystand schickt / ehr wir umb Beystand flehn.

Ein Stein / ein stücklein Bley / und ein vergifftend Schnauben.

Ein Fall / ein Wassertropff,/ kan uns diß Leben rauben

Geschwinder denn es Pest / und Frost / und Schwindsucht thut

Wir sorgen nur umbsonst / wenn Gott nicht für uns wachet /

Wenn er nicht Wall und Burg und Läger umb uns machet.

Der ist schon lebend todt der nicht in seiner Hut.


d. 3. Augusti Anno cIc Icc XL.