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Gedichte

38. An Valerium

Andreas Gryphius
An Valerium
XXXVIII.

VMbsonst / Mein Freund umbsonst! Ich kan dir nicht gewehren

Ein Denckmal das von Fall / von strenger Tyranney

Der Jahr' und seiner Grufft sich / dich / und mich befrey.

Die Zeit kan Ertz und Stein in Kott und Grauß verkehren.

Was Menschen-Hand äuffsetzt / kan Menschen-Hand verheren

Vnd ob sie ruh: die Noth / See / Erdfall / Schwerdt und Bley.

Gesetzt auch daß ich nicht auff einmal sterblich sey?

Ruhm ist ein blosser Wahn / den Todte nicht begehren.

Meynst du / daß diß Papir werd' unversehrt bestehn;

Wenn nun der Erden Bau' in Flammen wird vergehn /

Vnd sein beschwertes Grab in eigner Aschen werden?

O selig / wer die Träum / und nichtig Lob verlacht /

Wer immer neuem Ruhm und ew'ger Ehr nachtracht!

Die uns der Himmel schenckt / nicht die vergänglich' Erden.