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Gedichte u. Lyrik für alle Anlässe von
den großen  Meistern der Dichtkunst

Gedichte

6. Einsamkeit

Andreas Gryphius
Einsamkeit
VI.

IN diser Einsamkeit / der mehr denn öden Wüsten

Gestreckt auff wildes Kraut / an die bemoßte See:

Beschau ich jenes Thal und diser Felsen Höh'

Auff welchem Eulen nur und stille Vögel nisten.

Hir / fern von dem Pallast; weit von des Pövels Lüsten

Betracht ich: wie der Mensch in Eitelkeit vergeh'

Wie auff nicht festem Grund' all unser Hoffen steh'

Wie die vor Abend schmähn die vor dein Tag uns grüßten'.

Die Höl' / der rauhe Wald der Todtenkopff / der Stein

Den auch die Zeit aufffrist / die abgezehrten Bein

Entwerffen in dem Mutt unzehliche Gedancken.

Der Mauren alter Grauß / diß ungebau'te Land

Ist schön und fruchtbar nur / der eigentlich erkant

Daß alles / ohn ein Geist / den Gott selbst hält / muß wancken.