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den großen  Meistern der Dichtkunst

Gedichte

Ammonium

Ferdinand Freiligrath

Ammonium

(Aus "Gedichte", 1838)

»Fremdling, laß deine Stute grasen,
Oh, zieh nicht weiter diese Nacht!
Dies ist die grünste der Oasen;
Im gelben Sandmeer glänzt ihr Rasen,
Gleichwie inmitten von Topasen
Ein grüner, funkelnder Smaragd!«

Er sprach: »Gern will ich mich entgürten!«
Und nahm dem Pferde das Gebiß.
Er setzte sich zu seinen Wirten;
Des Wüstengeiers Flügel schwirrten
An ihm vorüber nach den Syrten,
Zu ruhn in der Pentapolis.

Die Lieder und die Zimbeln klangen,
Die Mappe lag auf seinen Knien.
Die Rosse mit den blanken Stangen,
Die finstern Reiter mit den langen
Gewanden und den bärt'gen Wangen,
Die Zelte - fremd ergriff es ihn.

Mit farb'gen Stiften schuf er glühend
Ein Bildnis dieser Wüstenrast.
Die Dromedare lagen kniend
Am Quell; des Wirtes Töchter, blühend
Und schlank, bald nahend und bald fliehend,
Umtanzten singend ihren Gast:

»Fremdling, laß deine Stute grasen!
Oh, zieh nicht weiter diese Nacht!
Dies ist die grünste der Oasen;
Im gelben Sandmeer glänzt ihr Rasen,
Gleichwie inmitten von Topasen
Ein grüner, funkelnder Smaragd!«