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Gedichte

Die Linde bei Hirzenach

Ferdinand Freiligrath

Die Linde bei Hirzenach

Nur leis bewegt vom lauen Uferwinde,
Roth noch vom Abend, dem erst halb verglühten,
Dein friedlich Dörfchen friedlich zu behüten,
Wie stehst du schön am Rheine da, 0 Linde!

Nun wird es Nacht! Nun eilt mit ihrem Kinde
Die junge Bäurin unter deine Blüthen!
Nun kühlst du auch, die sich am Tage mühten,
Den alten Winzer und sein Hausgesinde!

Der Gute spricht von längst verfloss’nen Jahren;
Er hat als Kind den Freiheitsbaum umsprungen,
Und der warst du - so melden die Berichte.
Nun spielt dein Wehn zahm mit des Greises Haaren
Abtrünnige! Noch hast du nicht geschwungen
Dein letztes Laub! Vorwärts geht die Geschichte!