Gedichte Poesie  Lyrik  Verse Reime
Sonette Goethe Schiller Heine Arnim

Gedichte u. Lyrik für alle Anlässe von
den großen  Meistern der Dichtkunst

Gedichte

Der Maler

Friedrich Hebbel

Der Maler.

Ein Maler trat heran zu mir:
»Ich male dir ihr Bild!«
Ich führt' ihn alsobald zu ihr,
Sie litt es freundlich-mild.

Er malte unter Spiel und Scherz
Das süße Angesicht,
Sie fühlte seltsamlichen Schmerz,
Doch sagte sie es nicht.

Er malte ihrer Wangen Rot,
Des Auges Glanz zugleich,
Da ward ihr Auge blind und tot
Und ihre Wange bleich.

Und als sie ganz vollendet stand,
Die liebliche Gestalt,
Da griff ich nach des Mädchens Hand,
Doch die war feucht und kalt.

Der Maler sah mir schweigend zurück,
Dann rief er spöttisch drein:
»Ich wünsch' der Jungfrau gute Ruh',
Sie wird gestorben sein.«