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Gedichte

Virgo et Mater

Friedrich Hebbel

Virgo et Mater.

Der Jungfrau Bild,
Im Arm das Kind,
Blickt sanft und mild
Durch Nacht und Wind.
Ein armes Mägdlein kniet davor,
Sie schaut nur dann und wann empor,
Doch, wenn das Lämpchen Funken sprüht,
So sieht man, wie sie glüht.

Die Lampe geht
Auf einmal aus;
Ihr Atem steht,
Sie schwankt nach Haus.
Die Jungfrau kann ihr nicht verzeihn,
Die Mutter wird sie benedein,
Stellt sie der Heil'gen übers Jahr
Mit ihrem Kind sich dar.

Sie fühlt's, und spricht:
Du reine Magd,
Dir gleich' ich nicht,
Doch unverzagt!
Dir, Mutter, die der Sohn erkannt,
Die unterm Kreuz noch bei ihm stand,
Dir will ich gleichen für und für,
Und dann vergibst du mir!