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Gedichte

Frau Därichens Sommerfrische

Georg Bötticher

Frau Därichens Sommerfrische

Von Herrn Därichen erzählt


Ich bin Sie werklich so samft wie ä Lamm
Un fer ee gemiedliches Wertchen ze hamm.
Doch wenn ich von »Sommerfrischen« heer,
Da, heernse, da genn ich mich nich mehr,
Da wärd m'rsch gans wiedig ze Sinne –
Fui Spinne!

Was nämlich meine Amalije is,
Die war Sie vorn Jahre noch ungewiß,
Ob »Wengleralp« oder »Norderney«.
Un wie nu – Gott Lob – de Säsong vorbei,
Da wollt se mit eenen Male
Nach Thale!

Ich wußte nu gleich, warum un wie!
Mir hatten ä Bostsekretär in Loschie,
Der war von morgen nach Thale versetzt,
Und dadrum wollte sie niewer jetzt!
Das war m'r doch schenierlich,
Nadierlich!

Ich suchte 's auszereden – schwabb! –
Da hatt ich Sie eene – verstehn Se mich – ab!
Dann rief se: »Bleib du meineswegen ze Haus,
Ich mach in de ›Sommerfrische‹ naus –«
Un war tags druff mit dän Gunden
Verschwunden.

Ich denke, se will drei Dage fort –
Ja, Guchen: acht Wochen blieb se dort!
Un wie ich se dann nach Hause rief,
Da schrieb se m'r noch in ä Schreibebrief:
»In Harze bleibt m'r leicht klämen –
Nu ämen!«

Na, später is se zerickgegomm.
Da haw ich se awer vorgenomm!
Die ist von »Sommerfrischen« guriert!!
Mich awer hat's doch ä bißchen schokiert,
Un ich spreche nich gern mit Male
Von Thale!