Gedichte Poesie  Lyrik  Verse Reime
Sonette Goethe Schiller Heine Arnim

Gedichte u. Lyrik für alle Anlässe von
den großen  Meistern der Dichtkunst

Gedichte

Aus einem Stammbuch von 1604

Johann Wolfgang Goethe

Aus einem Stammbuch von 1604

Hoffnung beschwingt Gedanken, Liebe Hoffnung.
In klarster Nacht hinauf zu Cynthien, Liebe!
Und sprich: Wie sie sich oben umgestaltet,
So auf der Erde schwindet, wächs't mein Glück.
Und wispere sanftbescheiden ihr an's Ohr,
Wie Zweifel oft das Haupt hing, Treue thränte.
Und ihr Gedanken, mißzutraun geneigt,
Beschilt euch die Geliebte dessenthalb,
So sagt: ihr wechselt zwar, doch ändert nicht,
Wie sie dieselbe bleibt und immer wechselt.
Untrauen tritt in's Herz, vergiftet's nicht;
Denn Lieb' ist süßer, von Verdacht gewürzt.
Wenn sie verdrießlich dann das Aug' umwölkt,
Des Himmels Kläre widerwärtig schwärzt,
Dann Seufzerwinde scheucht die Wolken weg,
Thränt nieder sie in Regen aufzulösen.
Gedanke, Hoffnung, Liebe bleibt nur dort,
Bis Cynthia scheint, wie sie mir sonst gethan.